Die Weltreisenden kehren heim: Mit dem Großen Preis von San Marino in Imola beginnt die Europasaison der Formel 1. Kürzere Anreisen erleichtern die Arbeit ebenso wie die Verfügbarkeit der Trucks und Motorhomes mit ihren Werkstätten, Büros und Kantinen.

Das BMW Sauber F1 Team hat in Paul Ricard und Barcelona weitere Testfahrten durchgeführt und wird in Imola mit aerodynamischen Neuerungen am BMW Sauber F1.06 antreten. Die Piloten Nick Heidfeld und Jacques Villeneuve wollen auf der anspruchsvollen Strecke in Norditalien an ihre guten Ergebnisse von Australien, wo sie die Plätze vier und sechs belegten, anknüpfen.

Nick Heidfeld:
Der Große Preis von San Marino ist das erste Rennen in Europa, und erfahrungsgemäß gibt es da immer die ersten großen Neuerungen bei den Teams. Auch bei uns wird das im Bereich der Aerodynamik der Fall sein. Ich erwarte nicht, dass diese Veränderungen das Feld komplett durcheinander mischen, aber sie können die Kräfteverhältnisse noch einmal verschieben. Was die Strecke selbst betrifft, stechen zwei Aspekte heraus: Erstens fährt man in Imola sehr hart über die Randsteine und braucht entsprechend ein Auto, das dabei gut liegt. Zweitens ist die Strecke sehr hart zu den Bremsen, fast vergleichbar mit dem Kurs in Kanada. Eine gute Bremskühlung ist von daher sehr wichtig. Wobei sich diese Problematik durch den geringeren Topspeed mit den V8-Motoren etwas reduzieren dürfte. Was die Reiserei angeht, kehrt mit dem Europaauftakt trotz der Testfahrten auch erst einmal etwas Ruhe ein. Ich hoffe sehr, dass wir unsere bislang gezeigten Steigerungen in Imola fortsetzen können.

Jacques Villeneuve:
Imola war für uns schon im vergangenen Jahr ein gutes Pflaster. Dort haben wir unser bestes Saisonergebnis geholt. Die Rennstrecke bietet viel Fahrspaß. Allerdings ist es für unsere Motoren der zweite Grand Prix in Folge, von daher werden wir mit Umsicht zu Werke gehen müssen. Der Kurs unterscheidet sich mit seinen Schikanen und Randsteinen sehr stark von den ersten drei Strecken der Saison. Jemanden zu überholen, ist sehr schwierig in Imola. Aber das tut dem Fahrspaß keinen Abbruch.

Robert Kubica:
Imola ist eine meiner Lieblingsrennstrecken in Europa. Ich freue mich sehr, dorthin zurückzukehren. 2002 habe ich dort gewonnen, es war das erste Mal, dass ich Formel Renault gefahren bin. Diesmal werde ich leider kein Rennen in Imola fahren, aber ich hoffe, dass ich das Team mit so vielen Daten und Informationen wie möglich aus dem Freitagstraining unterstützen kann. Ich will meine Arbeit gut machen. Wir werden zum ersten Mal in diesem Jahr auf einem Kurs der alten Machart antreten. Imola hat altmodisch hohe Randsteine, in Bahrain und Malaysia ist alles viel flacher. In Imola muss man über die Schikanen springen. Die Anforderungen sind anders, aber ich mag alle Sorten von Rennstrecken. Die neuen haben großzügigere Auslaufzonen und dergleichen. Ich freue mich auch sehr, wieder nach Italien zu reisen, wo ich fünf Jahre lang gelebt habe. Außerdem komme ich nun mit dem BMW Sauber F1 Team erstmals zu einer Strecke, die ich schon kenne.

Mario Theissen, BMW Motorsport Direktor:
Jeder freut sich auf den Beginn der Europa¬saison. Kürzere Reisewege für Mensch und Material und bessere Arbeitsbedingungen im Fahrerlager sind die Gründe. Beim Europaauftakt werden die Teams zu Hausbesitzern - erstmals im Jahr werden die Motorhomes aufgebaut. Wir werden ein neues Zuhause haben und freuen uns auf den Einzug. Für den ersten Aufbau des gesamten Formel-1-Dorfes muss eines der kleinsten Fahrerlager der Saison herhalten. In den Fahrzeugen von Nick und Jacques sollen die beiden BMW P86 Motoren verbleiben, die bereits in Australien im Einsatz waren. Das ist nach der kurzen Entwicklungszeit nach wie vor eine Herausforderung. Beide Motoren sind noch auf dem Entwicklungsstand, den wir vor Melbourne realisieren konnten. Und Imola ist ohnehin eine Strecke, die durch hohe Abtriebswerte und Bergauf-Passagen generell eine hohe Beanspruchung an die Motoren stellt.

Willy Rampf, Technischer Direktor Chassis:
Nach unserem positiven Resultat in Melbourne wollen wir diesen Schwung in die Europasaison mitnehmen. Dafür hat das Team auch hart gearbeitet. So wird der BMW Sauber F1.06 beim San Marino GP sowohl über eine modifizierte Heckpartie als auch über einen neuen Frontflügel verfügen, was ein Plus an Abtrieb verspricht. Zudem arbeiten wir gemeinsam mit unserem Partner Michelin sehr intensiv daran, die Problematik des Reifenaufwärmens besser in den Griff zu bekommen. Die Strecke in Imola braucht nicht nur hohen Abtrieb, sondern beansprucht auch die Bremsen sehr stark. Aus diesem Grund verwenden wir maximale Bremskühlung und die entsprechende Brems¬spezifikation. Die Randsteine sind in Imola hoch, und um eine gute Rundenzeit zu erzielen, müssen die Piloten sehr direkt über die Kerbs fahren können. Damit sind das Chassis und die Radaufhängungen hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Überholen ist generell schwierig, weil die Geraden zwischen den Schikanen nicht lang genug sind, deshalb sind eine gute Startposition und die richtige Rennstrategie besonders wichtig. Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, erneut eine starke Leistung zu zeigen.